Da ich keinen Eintrag zu Hassencamps Florian-Reihe gefunden habe, schreibe ich einfach mal selber was dazu. Ich könnte mir denken, dass der ein oder andere Schreckie sich auch etwas für Florian und seine metaphysisch begabte Tante interessiert.
Und immerhin sind die Bücher ja noch über ebay oder hood zu bekommen...
Das Copyright des ersten Bands "
Florian der Geisterseher" ist auf 1979 datiert, Hassencamp hat demnach mitten in der Schreckenstein-Reihe damit begonnen, noch vor dem ersten Geister-Einsatz in Band 16 (das Schottland-Abenteuer).
Das Grundprinzip der Bücher ist immer gleich: Florians Eltern sind Sporttaucher und können ihn im Urlaub nicht gebrauchen, weshalb der arme Flori über die Sommerferien stets zu Verwandten abgeschoben wird.
Da ist seine Tante, die als Hellseherin eine Pension betreibt, eher die Notlösung als die Regel. Vor allem, da sie in der Familie, die wenig Verständnis für ihre Tätigkeit aufbringt, ziemlich isoliert ist.
Gleich zu Beginn verschenkt Hassencamp meiner Ansicht nach ein starkes Spannungsmoment, indem er Florian an die übersinnlichen Fähigkeiten seiner Tante glauben läßt, statt diese erst mal in Frage zu stellen und ihn erst durch Schlüsselerlebnisse zum Gläubigen werden zu lassen.
Wie die Schreckensteiner macht auch Florian gerne Streiche, aber natürlich fehlt hier der "Ehrencodex" der Schreckensteiner, und so kommen einige seiner Streiche eher gemein als lustig daher und es wird deutlich, warum die Schreckensteiner das bei ihren Streichen anders handhaben.
Das Hassencamp seine Florian-Reihe in der Schreckenstein-Welt ansiedelt, ist ein netter Einfall, aber eigentlich unnötig, da die beiden Reihen praktisch nichts miteinander zu tun haben. Von den Schreckensteinern hört man auch nur am Rande, über Neustadt erfährt man dagegen schon hier und da etwas Neues.
Dafür lernt man einige Schüler der Franz-Joseph Schule kennen, Klassenkameraden von Florian. Für Schreckenstein-Puristen interessant: Andreas, der "Lange", ist der große Bruder von Florians bestem Freund und Klassenkameraden Jens. Demnach könnte Florian also keiner von den Großen sein! Dennoch tritt er im 400-Meter-Lauf regelmäßig gegen Witzbold Klaus an. Seltsam, seltsam...
Dann lernt man noch Lehrer Hempel kennen, der zwar nicht an Übernatürliches glaubt, paradoxerweise aber dennoch Florian bestrafen will, als dieser sich von seiner Tante mal eben die nächste Mathearbeit vorhersagen läßt.
Im zweiten Band "
Florian auf Geisterreise" zieht die Geschichte etwas an, was die Spannung betrifft. Hier verhindern Florian und seine Tante einen Mord, da sie ja im Vornherein bereits wissen, wann, wie und wo die Tat ausgeführt werden soll. Der ermittelnde Kommissar ist zwar typischerweise recht überzogen dargestellt und wirkt dadurch ziemlich unglaubwürdig, aber der Spannungsschub mit der Mordgeschichte und Florians erweiterte astrale Möglichkeiten machen den zweiten Teil schon deutlich interessanter als den ersten, auch, wenn die Geschichte zwischendurch immer wieder etwas schwächelt.
Die Reihe endet mit dem dritten Band "
Florian und das Geisterhaus", der zugleich auch der beste ist, jedenfalls hat er mir eindeutig am besten gefallen.
Spielt sich die Handlung der ersten beiden Bücher noch überwiegend in Neustadt und in Tante Teklas Pension ab, wird der Schauplatz hier mal eben kurz ins sonnige Italien verlegt, dank einer einfachen, aber genialen Idee: Die Taximenschen! Florian und seine Tante schlüpfen im Astralzustand in die Körper anderer Menschen und steuern diese, als seien es ihre eigenen. Dabei können sie aber auch der körpereigenen Persönlichkeit Raum für Entscheidungen geben, was Hassencamp mit einem Sprachwitz beschreibt, dass es eine wahre Lesefreude ist. Denn da die Taximenschen ja auch noch ein richtiges Leben mit Freunden und Verwandten haben, ergeben sich dermaßen viele lustige Situationen und Verwicklungen, dass man das Buch kaum weglegen mag.
Zwar wird in diesem letzten Band noch vermerkt, dass ein weiterer Band in Vorbereitung sei, doch ist dies nicht mehr erfolgt und scheint mir auch eher ein Standartspruch des Verlags zu sein, um potentielle Käufer bei Stange zu halten. Naja, vielleicht wollte Hassencamp mit Florians Wechsel nach Schreckenstein dem Schneider-Verlag ja sogar ein Schnippchen schlagen, wer weiß?
Fazit: Die Florian-Bücher sind ganz nett, aber im Gegensatz zur Schreckenstein-Reihe keine Pflichtlektüre.
Grundsätzlich gibt die Reihe inhaltlich nicht genug her, weshalb sie wohl auch nicht besonders erfolgreich war. Wirklich zu empfehlen ist nur der letzte Band "Florian und das Geisterhaus", den man wie die Schreckenstein-Reihe ohne Kenntnis der vorangegangenen Bücher lesen kann.
Die Story der ersten beiden Bände ist einfach zu dünn angelegt und wenn dann doch mal was passiert, ist es gleich so übertrieben, dass es eher abstrakt als mystisch wirkt.
...und manchmal sogar unfreiwillig komisch, z.B. wenn Florian im Astralzustand mal eben zum Mond fliegt.
Aus Schreckie-Sicht enthält die Florian-Reihe leider nur wenig Neues. Man muß halt schon etwas mit dem Thema Hellsehen und Astralreisen anfangen können, um sich für die Geschichten zu erwärmen.
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