You are not logged in.

Dampfwalze

Unregistered

1

Tuesday, September 27th 2011, 12:00pm

Nachdenkliches

Ich lese nach einem Abstand von ca. 30 Jahren jetzt diese Bücher nochmal und muss sagen, die Atmosphäre von damals will sich einfach nicht einstellen: Was hat man doch damals Augen gemacht und kam von diesen klebstoffartigen Büchern nicht los wie Stephan vom Spannlack ;) "Boha was der Mücke da sagt" "boah dass der Dampfwalze sich das traut" usw.
Dieser "Kick" will sich beim "Erwachsenenlesen" nicht einstellen, man kommt sich vor "wie ein Altschreckensteiner nach dem Abitur, der die Stätte seiner Jugendstreiche besucht" um ein Zitat zu verwenden!

Und man macht Beobachtungen, die einem als Kind nicht aufgefallen sind. Z.B. dass die Ritter mobben (Armin), unfair sind (Andis Indianerverbot), falsch sind (der 48Stundennonstopsuperstreich *gähn* bei dem die "ehrlichen Ritter" in Kauf nehmen dass andere unschuldig verdächtigt werden, die Ebert- und Franz-Josephschüler die "eh nur blöd sind", auch wenn sie die Mädchen in dem Theaterstück aufklären). Und dass sie in dem Band in den Ferien wieder Unterricht wollen (sie haben bestimmt nicht alle gefragt oder wenn dann einmal "wollt ihr") fand ich als Kind total ungerecht! Da ist man endlich mal frei auf dieser geilen Burg, könnte Mauersäge ärgern und andere Schüler bestreichen, aber nix. Nichtmal die Köchin Elfriede wird geneckt (bis auf die Pfingstkaninchenaktion mit der Zigarre!). Und überhaupt: die Hygiene! Da stellts mir die Zehennägel einzeln auf! Wo sie die Ostersüßigkeiten überall versteckt haben, Bäh!
Um es klarzustellen: Die Bücher liebe ich trotzdem alle !! :blop:

Nur hat sich meine Betrachtungsweise mit dem Alter anscheinend verändert *seufz* :S

Wem gehts ähnlich?

This post has been edited 2 times, last edit by "Dampfwalze" (Sep 27th 2011, 12:36pm)


homunkoloss

Nichtstuer

Posts: 6

Location: Leipzig

Occupation: Doktorand; Neurobiologie

  • Send private message

2

Tuesday, February 28th 2012, 3:19pm

Ich glaube, es ist ganz normal, dass man als Erwachsener Kinderbücher mit anderen Augen liest und einem dabei Dinge auffallen, die einem als Kind nicht so klar waren. Man entwickelt sich ja schließlich weiter, macht neue Erfahrungen und bekommt dadurch eine andere Perspektive. Ich finde das nicht schlimm. Wichtig ist, dass dir die Schreckenstein-Bücher offenbar immer noch gefallen, sonst wärst du wahrscheinlich nicht hier.
Und ich denke, das ist eigentlich das Beste, was einem Buch oder Autor passieren kann, wenn alle Generationen und Alterstufen dem Buch etwas abgewinnen können: Ein Buch, das verständlich und unterhaltsam für Kinder ist, und trotzdem noch interessant für die Erwachsenen, die dann beim Lesen die feinen Zwischentöne erkennen, die man als Kind vielleicht noch nicht begreift. Auf die Weise kann man das Buch alle zehn Jahre wieder vorkramen und entdeckt jedes Mal wieder etwas Neues :)

Rate this thread