Ich habe mich für "4 Sterne" entschieden.
Rezeption als Jugendlicher:
Band 1 war nicht der erste Band, den ich damals gelesen habe, sondern eher so der fünfte bis zehnte. Natürlich fielen mir sofort diverse Unterschiede zu denen auf, die ich schon kannte, insbesondere die "Wir"-Form. Das Buch wirkte auch von der Schreibe deutlich älter und düsterer. Dass es noch aus den 50ern stammt, hätte ich allerdings nie gedacht.
Für mich war es interessant zu sehen, wie alles angefangen hatte. Einige Ungereimtheiten, die sich daraus ergaben, dass Schreckenstein nach und nach eine Serie wurde, habe ich OH gerne verziehen. Doktor Waldmann beispielsweise wird als seltsamer Charakter eingeführt. Mal sei er unerklärlich streng, dann wieder freudlich. Davon merkt man im weiteren Verlauf der Serie nichts. Bis auf das eine Mal, wo Pummel in Band 3 mit dem Segelflieger abstürzt, ist Waldmann doch eigentlich immer freundlich? Anderes Beispiel: Die Ritter singen ein Lied, um zu erfahren, was im Rathaus vor sich geht. Eine derartige "tolle Idee" von Ottokar passt überhaupt nicht mehr zu den Lösungen in späteren Bänden.
Gut an Band 1 fand ich, dass so viel passiert: die Burg wird eingeführt, Stephan kommt, Stephan verfeindet sich mit Dampfwalze und wird zum Helden des Sportfestes. Das hätte eigentlich schon das Happy End sein können, aber nein, es geht noch viel weiter: die Freundschaft mit Waldmann, die Rettung der Burg.
Wie das technisch ging, innerhalb so kurzer Zeit eine gesamte Burg unbewohnbar erscheinen zu lassen, habe ich mich schon als Jugendlicher gefragt. Auch, wo der Bezug zwischen Stephans Missetaten und ausgerechnet Spannlack sein soll, habe ich nie begriffen. Und richtig geärgert habe ich mich seinerzeit über die schlechten Illustrationen von Ulrik Schramm. Auf S. 40 geht die Tischkante durch das Fresspaket, Stephans Bein geht durch die Tür und am allerschlimmsten sind die Beine von dem Jungen ganz rechts. Für mich unfassbar, wie man solche Zeichnungen veröffentlichen konnte!
Sehr spannend an dem Buch fand ich das Aufeinandertreffen mit Waldmann in der Bar und den Showdown bei der Rettung der Burg. Raffiniert fand ich auch immer, wie geschickt Stephan Dampfwalze nicht vor dem Rex verpfeift (S. 47), Dampfwalze aber seine Getreuen mit reinzieht.
Rezeption heute:
Hier hat sich nicht viel geändert. Erstaunlich und nur aus der damaligen Zeit heraus erklärlich finde ich, a) dass die Ritter allen Ernstes "Wallenstein" (!!) aufführen müssen, b) wie unsagbar peinlich es Waldmann ist, in der Bar gesehen zu werden, und dann auch mit einer jungen Dame, c) als wie rufschädigend er es offenbar ansieht, dass seine Tochter in dieser Bar Geld verdient.
This post has been edited 2 times, last edit by "Der lange Udo" (May 13th 2008, 10:24pm)